Update Das Kundenmagazin für institutionelle Investoren

Acht Erkenntnisse von unserem Investment Forum in New York

1 UNVERÄNDERT GILT: OHNE RISIKEN KEINE RENDITE

Bereits seit längerer Zeit empfehlen wir unseren Kunden, in gewissem Maße risikoreiche Anlagen in ihre Portfolios aufzunehmen – und dazu raten wir ihnen auch weiterhin. Weil die Zinsen noch länger niedrig bleiben dürften, haben sie schlicht keine andere Wahl, auch wenn die Märkte nahe ihren Allzeithochs notieren. Dass Anleger mögliche Risiken dennoch nicht aus den Augen verloren haben, zeigt unsere neue RiskMonitor-Studie 2017, der zufolge die Geopolitik bei den Sorgen institutioneller Anleger an erster Stelle steht; zwei Drittel geben an, aktives Management sei in diesem Marktumfeld unverzichtbar.

2 PHILANTHROPIE KÖNNTE ZUM NÄCHSTEN ESG-TREND WERDEN

Geldanlagen nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung – „Corporate Social Responsibility“) sind mittlerweile Mainstream und können viele Formen annehmen – von bloßem ESG-Screening über Dialoge mit Unternehmen bis hin zu Impact-Investing. Die meisten Anleger setzen wegen des Renditepotenzials auf ESG, und führende Pensionsfonds investieren in Firmen, die sich durch gute Governance auszeichnen. Doch es entstehen auch neue ESG-Bereiche wie beispielsweise philanthropisches Engagement durch Spenden, bei denen die Auswirkungen auf die Gesellschaft stärker im Vordergrund stehen. Die Zeiten, in denen Geldanlage und Philanthropie nichts miteinander zu tun hatten, scheinen jedenfalls vorbei zu sein.

Update Magazine, Allianz Global Investors, Investment Forum, Dezember 2017

Update Magazine, Allianz Global Investors, Investment Forum, Dezember 2017



DIE WICHTIGSTEN HIGHLIGHTS

1/ Die Weltwirtschaft hat sich von einem synchronisierten Auf- schwung wegentwickelt.

2/ Die Liquidität hat einen Höchststand erreicht und wird im Rahmen der bevorstehenden geldpolitischen Normalisierung voraussichtlich sinken.

3/ Risikomanagement muss individueller und ausgeklügelter werden.

4/ In diesem unsicheren Umfeld bleibt aktives Management ein wichtiger Erfolgsfaktor zur Erschließung von Renditepotenzial.

»DIE ZEITEN, IN DENEN GELDANLAGE UND PHILANTHROPIE NICHTS MITEINANDER ZU TUN HATTEN, SCHEINEN VORBEI ZU SEIN.«

3 SUCHE NACH SUBSTANZ AM US-MARKT

Die langfristigen US-Fundamentaldaten sehen etwas beunruhigend aus: Die Produktivität nimmt kaum noch zu, und die arbeitende Bevölkerung wird kleiner, was zukünftig geringeres Wachstum erwarten lässt. Dass die Bewertungen am US-Aktienmarkt dennoch so hoch sind, hat zweierlei Gründe: Zum einen sind Aktien für viele Anleger die beste Option, und zum anderen nutzen Unternehmen niedrig verzinste Kredite für Aktienrückkäufe. Wenn die Federal Reserve Bank die Leitzinsen in den USA jedoch weiter erhöht, könnte dies die Aktienkurse belasten. Sollte die reflationäre Politik erfolgreich sein, könnten sich Value-Aktien – insbesondere im Energie- und Bankensektor – überdurchschnittlich entwickeln.

4 DIE USA AUF DEM WEG IN DIE ENERGIEUNABHÄNGIGKEIT

Der Boom der US-Schiefergasbranche hat die Spielregeln am Ölmarkt grundlegend verändert: Die Ölpreise haben sich halbiert, die Energieausgaben von US-Verbrauchern sind auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gefallen, und die OPEC hat einen Großteil ihrer Macht verloren. Die USA sind auf dem Weg in die Energieunabhängigkeit. Jedoch stellt sich die Frage, ob sich der Markt der falschen Hoffnung hingibt, dass die Schiefergasproduktion ewig wachsen wird. Traditionelle Energieaktien sind jedenfalls trotz starker Fundamentaldaten massiv unter Druck geraten, was eine gute Kaufgelegenheit darstellen könnte.

5 KEINE EINFACHE LÖSUNG FÜR DAS PRODUKTIVITÄTSPROBLEM IN SICHT

Produktivität könnte man als den wichtigsten Faktor für Wirtschaftswachstum ansehen, doch das Produktivitätswachstum nimmt ab und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend umkehrt. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel – die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft. Neue Technologien könnten zwar Besserung bringen, doch sie müssen ihre transformative Kraft erst noch entfalten. Entscheidend für die Lösung des Produktivitätsproblems ist eine starke Führung in Wirtschaft und Politik, die den Schwerpunkt auf Innovation, Forschung und Entwicklung sowie langfristiges Denken legt.

»DIE PRODUKTIVITÄT IN DEN USA NIMMT KAUM NOCH ZU, UND DIE ARBEITENDE BEVÖLKERUNG WIRD KLEINER, WAS ZUKÜNFTIG GERINGERES WACHSTUM ERWARTEN LÄSST.«

Update Magazine, Allianz Global Investors, Investment Forum, Dezember 2017

6 LANGSAMES VORANKOMMEN FÜR PRÄSIDENT TRUMP

Bislang war die Präsidentschaft von Donald Trump holprig, dennoch muss seine Regierung noch einige Ziele erreichen – allen voran die Steuerreform. Veränderungen des Steuerrechts dürften allerdings ein langwieriger Prozess sein, weil viele Eigeninteressen aufeinandertreffen. Als Folge könnte es eine Steuerreform light vor den Zwischenwahlen 2018 geben, die ein wichtiger Lackmustest für die Republikanische Partei und die Popularität des Präsidenten sein dürften.

7 DAS US-GESUNDHEITSWESEN BRAUCHT EINE THERAPIE

Die Gesundheitskosten machen in den USA aktuell 16 % des BIP aus und könnten bis zum Jahr 2028 auf 27 % des BIP steigen. Zum Vergleich: Derzeit liegt der Wert in den meisten anderen Industrieländern bei nur etwa 6 %! Die Qualität der Versorgung ist hoch für diejenigen, die sie bezahlen können, doch die Kosten steigen stärker, als langfristig durchgehalten werden kann. Zudem bedeuten höhere Ausgaben nicht unbedingt im gleichen Umfang bessere Behandlungserfolge. Eine mögliche Lösung dieses Problems wären Kostensenkungen bei Medikamenten. Anleger in Pharma-Aktien sollten Unternehmen mit überlappenden Produkten meiden und nach innovativen Produkten mit belegter Wirksamkeit Ausschau halten.

Update Magazine, Allianz Global Investors, Investment Forum, Dezember 2017

8 INFLATION WIRD MÖGLICHERWEISE FALSCH GEMESSEN

Die Phillips-Kurve – also das Modell, mit dem Zentralbanken abschätzen, wie zunehmende Beschäftigung zu höherer Inflation führt – hat möglicherweise an Aussagekraft verloren. Die wichtigere Frage aber lautet, ob die Inflation selbst falsch gemessen wird. Entsprechen die Standardindizes für Verbraucherpreise der Alltagserfahrung steigender Preise? Werden höhere Kosten für Miete und Pendeln angemessen berücksichtigt? Sind sinkende Preise für Technologie ein Ausgleich für stark steigende Kosten in anderen Bereichen? Vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen und einem Anstieg des Populismus sollte sich die Politik der Auswirkungen von Inflation in der realen Welt bewusst sein. Gleichzeitig müssen Anleger wachsam bleiben und darauf achten, die reale Kaufkraft ihrer Ersparnisse abzusichern.